Quo vadis Tirol?

Tirol - das heilige Land. Bergwelten von verzaubender Schönheit, sich in die Landschaft schmiegende Alpentäler, Almen und Hüttengaudi in ihrer ursprünglichen Bedeutung und ein Bergvolk voller Gastfreundlichkeit, mit Stolz auf ihre Herkunft. So in etwa stellen sich viele das wohl schönste aller Bundesländer in Österreich vor.

Reich an Naturschönheiten, vollgepackt mit imposanten Berggipfeln und im Winter begnadet, durch unzählige Freizeitmöglichkeiten in der tiefverschneiten Natur.6 lucinaslife mr.bag ochsengarten tirol schnee snowJa, so ist es auch – die Natur ist vielfältig, zugleich wunderschön und Möglichkeiten, in Tirol Abenteuer zu erleben, gibt es wirklich mehr als genug. Die schönen Bilder unserer Tirolwerbung kennt mittlerweile die halbe Welt und das im jährlich im Jänner anstehende Hahnenkamm-Rennwochenende trägt auch seinen Teil dazu bei, dass Tirol in der ganzen Welt seine Aufmerksamkeit bekommt.
Auch ich war froh, in Tirol leben zu dürfen, jedoch mittlerweile stelle ich mir die Frage, ob ich es überhaupt noch kann bzw. will. Dieser Gedankengang wirft in mir immer mehr Fragen auf, die sich mir zwangsläufig stellen, je länger ich darüber nachdenke. Derzeit fühle ich mich in Tirol etwas deplatziert und verloren, oft wie ein Fremdkörper in einem Organismus, der nicht akzepiert und abgestoßen wird. 5 lucinaslife mr.bag simmering alm tirol picknick

Quo vadis Tirol

Wie heisst es so schön – Tirol lebt vom Tourismus. Mag schon sein, wenn man so manche Gegenden in Österreich besucht, in denen kein Tourist sich verirrt. Dann fühlt man sich schon um gefühlte 50 bis 100 Jahre zurück versetzt. Da ist Tirol hingegen wirklich sehr fortschrittlich und hyper modern. Ein Leben in purem Luxus – jedoch stellt sich mir die Frage, zu welchem Preis? Alles hat seinen Preis im Leben – und der Tourismus hier in Tirol fordert auch seinen Tribut. Einen großen Tribut, der auf dem ersten Blick, für viele nicht erkennbar ist. So zumindest hat es den Anschein.
Den Ausverkauf der Natur zum Beispiel. Muss es wirklich sein, dass auf jeden Berggipfel eine moderne Seilbahn führt, dass immer noch mehr Luxushotels und hypermoderne „Berghütten“ die sportlichen, aber auch unsportlichen Gäste willkommen heisst? 4er Sessellifte sind out – es müssen schon 6er und 8er Sessellifte sein und am besten noch mit Witterungsschutz und Heizung, damit es die Gäste nicht fröstelt, beim Ausüben einer Outdoor-Freizeitaktivität. 7 lucinaslife natur tirol alps Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin kein Gegner von Weiterentwicklung. Aber ist dies wirklich eine? Immer noch mehr Menschenmassen auf die Berge zu hiefen, damit dort immer noch mehr Müll liegen bleibt und genau das, was Tirol so besuchenswert macht, die Natur selbst, darunter leiden muss. Es läuft doch alles in eine falsche Richtung – nämlich in die Richtung des Geldes. Beispiele für die hirnlos geblendeten Schandtaten gibt es leider genug. Abgesehen von den offensichtlichen Eingriffen in die Natur, wie 1000ende Beschneiungsanlagen, hunderte künstliche Speicherseen zur Versorgung dieser, Seilbahnanlagen auf jede Bergspitze und Megastaus, die durch tausende Touristen im Winter verursacht, gibt es leider noch eine leidende Tierwelt, die kontinuierlich aus ihren Lebensräumen verbannt wird. Ja genau, aus ihren Lebensräumen. Wo sind denn die Tiere in Tirol geblieben?? Verdrängt in höhere Lagen, abgeschoben in unsere Nachbarsländer, ausgestellt in unserem Alpenzoo. ALso mir persönlich fällte der Unterschied zu intakter Natur extrem auf. Geht man in der Slowakei in den Wäldern spazieren, laufen einem schon mal Bär, Wildschwein und Luchs über den Weg. Von Hirsch und Reh gar nicht zu reden. Aber in Tirol ist die Bebauung der Inntal schon so fortgeschritten, dass einfach kein Platz mehr ist, für die Tiere des Waldes.
Übrigens kennt ihr den berühmten "Sautrog"....die potthässliche Bahnüberführung über den Inn? Seinen Namen bekam er, weil diese Betonkonstruktion wirklich einem überdimensionalem Sautrog gleichschaut. Denkt man jetzt mal in größeren Dimensionen, dann liegt mir ja fast auf der Zunge, dass nicht die Bahnüberführung der Sautrog Tirols ist, sondern das Inntal selbst. Oder nicht? Vollbetoniert, hochbebaut bis unter die Gipfel, laben sich Millionen von Touristen an diesem Trog, zum Nachteil der heimischen Tierwelt.8 lucinaslife pferde tirol kuehtai Und sollte sich dann wirklich wieder mal ein Bär aus Südtirol oder ein Wildschwein nach Tirol verirren, dann wird kurzerhand die Jagdsaison eröffnet. Wie kann es sein, dass ein Bürgermeister das wohl einzige Wildschwein Tirols erschiesst und sich noch stolz wie ein Pfau von den Medien feiern lässt? Weidmanns heil, lieber Herr Bürgermeister - aber nicht für das Wildschwein, das sie erlegt haben, sondern für den Vogel, den sie mit dieser Tat wohl abgeschossen haben. Das Trophäenfoto des toten Wildscheines mit samt dem stolzen Jäger gleicht für mich mehr einem Verbrecherfoto, mit samt dem toten Opfer. Einfach nur pervers in meinen Augen, aber da wird wohl mein Jammern hier auch nicht helfen.
Aktuell wird gerade eine Gletscherzusammenlegung diskutiert. Muss das sein? Alles nur des Geldes wegen? Des Geldes einiger weniger, denn Ottonormalverbraucher hat keine Chance mehr, auch nur an ein Brösel dieses Kuchens zu kommen. Durch die Massen an Touristen, die durch solch Aktionen angelockt werden wie die Fliegen von der Scheisse, werden dem Tiroler viele Möglichkeiten genommen. Der, der sich alles erarbeiten muss, dem von nicht reichen Eltern keine Immobilien hinterlassen werden, für den wird schon ein Grundbedürfniss, ein Zuhause haben, erheblich erschwert. Es stehen zu wenig Wohnungen zur Verfügung, denn jeder will über Airbnb und Booking.com das schnelle Geld machen. Leider ist dies auch möglich, aber nur für diejenigen, die Geld haben. Die Immobilienpreise werden dadurch in unerschwingliche Höhen gehieft und viele bleiben einfach auf der Strecke. Aber die, die das entscheiden, haben schon recht. Es ist durchaus wichtig, dass das imens erschlossene Ötztal und das weniger erschlossene Pitztal schigebietsmässig zusammengeführt werden. Wichtig für einige wenige Familien, die diese Täler ohnehin schon im Alleingang regieren. Aber ich muss ihnen ja recht geben: es entstehen viele neue Arbeitsplätze für die Bevölkerung. Allerdings für die Bevölkerung der Oststaaten, denn diese Arbeitskräfte sind noch billig zu haben.,damit noch mehr Geld übrig bleibt, in den Töpfen weniger.
Wacht endlich auf ! So wie sich Tirol entwickelt, führt es im Eiltempo zu noch mehr Frust und Leid in der Bevölkerung, die ohnehin schon vom Neid zerfressen wird. 9 lucinaslife tirol kuehtai mountain alps bergeBleibt also nur die Frage noch zu beantworten, quo vadis Tirol?
Aber ist dies wirklich die Frage? Ist es nicht schon viel zu spät, um eine Antwort darauf zu finden?
Nein, es ist nie zu spät. Aber es ist definitiv die falsche Frage, die ich mir stelle. Der Weg Tirols ist vorprogrammiert, die Weichen sind gestellt und es wird einfach Vollgas gegeben.
Die eigentliche Frage für mich sollte sein: Quo vadis Mr.Bag?
Wohin kann man gehen, um diesem geldregierten Systemen zu entgehen und ein Leben im Einklang mit der Natur, ein Leben in Würde zu führen, ohne nur ein Rädchen im Getriebe Tourismus zu sein?
Leute, sollte ich eine Antwort auf diese Frage gefunden haben, werde ich euch darüber wieder informieren.
Bis dahin werde ich mich auf meinen Gefühlskompass verlassen und voller Freude neue Wege finden und erkunden. Solange, bis ich mit Lucina das richtige Plätzchen gefunden habe und wir uns angekommen fühlen. Bis dahin wünsche ich euch eines: erfüllt nicht die Aufgabe eines Zahnrädchens im großen Tourismusgetriebe. Denn als Maschinenbau-Ingenieur weiss ich: solltet ihr Materialermüdung erleiden, wird das fehlerhafte Zahnrad nur ausgetauscht und ersetzt durch ein neues.11 lucinaslife simmeringalm tirol alps tyrol dirndl huette

PS: Dies sind nur einige meiner Gedanken, die mir regelmässig durch den Kopf schiessen. Mein ganz persönliches Empfinden, also eine ganz subjektive Meinung. Wie empfindet ihr?? Bitte teilt uns doch mit einem Kommentar eure Meinung zu diesem Thema mit. Würde uns freuen.

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